Kann KI Blasmusik? – Teil 3

Im dritten und letzten Teil der Serie Kann KI Blasmusik? komme ich zu einem persönlichen Fazit, inwieweit KI in der Lage ist, reale Musiker und Komponisten ersetzen zu können und was das für unsere Blasmusik bedeutet.

Hier geht es zum ersten Teil, in dem ich die Entstehung des Projektes beschreibe.

Im zweiten Teil geht es darum, wie aus den Ideen ein komplettes Album-Projekt entstand.

KI als Musiker? Mein persönliches Fazit

Wenn mich heute jemand fragt, ob KI Musik komponieren kann, fällt mir die Antwort deutlich schwerer als noch vor einigen Monaten. Damals hätte ich wahrscheinlich einfach “Ja” gesagt. Heute würde ich antworten:

“Ja, aber…”

Denn dieses kleine Wort macht einen gewaltigen Unterschied.

KI ist erstaunlich schnell

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Geschwindigkeit. Eine Idee, für die man früher mehrere Stunden arrangieren musste, lässt sich heute innerhalb weniger Minuten ausprobieren. Nicht perfekt, aber gut genug, um zu entscheiden, ob sich eine Richtung lohnt. Allein das verändert kreatives Arbeiten enorm und ist meiner Meinung nach, einer der Hauptunterschiede zu der Arbeit mit echten Musikern.

Ich hätte jedes einzelne Stück des Album auch selbst arrangieren und instrumentieren können. Die Ergebnisse wären wahrscheinlich mal besser, mal schlechter als die KI-Arrangements gelungen. Anschließend hätte ich sie mit echten Musikern einstudieren und aufnehmen können. Die Klangqualität wäre dann sicher besser gewesen, die technische Ausführung eher weniger.

Hauptberuflich hätte so ein Projekt Wochen in Anspruch genommen. Nebenbei, so wie bei mir, vermutlich sogar Monate. Mit SUNO brauchte es nur wenige Tagen.

Ist KI auch musikalisch?

KI Titelcover zu “Kannst Du Knödel kochen”

Besonders überrascht hat mich, wie selbstverständlich Stilistiken erkannt werden. Egal ob Swing, Latin, Smooth Jazz – bereits wenige Stichworte genügten, um die KI in die richtige Richtung zu lenken.

Das Problem war eher, dass ich natürlich mehr wollte, als eine reine Stilveränderung. Das Ziel war es, auch neue Formen, Melodien, Improvisationen und Harmonien zu erzeugen.

Teilwiese gelang das auch überraschend einfach, aber teilweise ignorierte SUNO meine Vorgaben auch komplett.

Hier merkte man doch sehr deutlich, dass die KI eben keine Musik versteht, sondern die Prompts durch ihr bekannte Muster umsetzt. Manchmal trifft sie damit voll in Schwarze. Wenn die Vorgaben allerdings zu ungewöhnlich sind, wird es schwierig.

“Prompt Engineering”

Der Prompt, also das, was man der KI als Anweisung gibt, ist also elementar wichtig für das Ergebnis. Klingt natürlich selbstverständlich, aber dabei geht es wirklich um Details.

KI und damit auch SUNO unterscheiden im Prompt Groß- und Kleinschreibung, Anführungszeichen, fett, kursiv, usw..

Inzwischen gibt es unzählige Videos über das sogenannte Prompt Engineering, so dass ich hier nicht näher darauf eingehen möchte. Wichtig ist nur, dass man nicht nur eine Idee im Kopf hat, sondern auch weiß, wie man diese der KI mitteilt, so dass möglichst auch alle Details berücksichtigt werden.

Auch wenn man merkte, dass manche meiner Ideen SUNO “gegen den Strich” gingen, schaffte ich es meistens dann doch, durch abgeänderte Prompts SUNO zu “zwingen”, meine Vorgaben umzusetzen.

Ein früher Cover-Entwurf

Das Thema Urheberrecht

Ein Thema das mich während des gesamten Projektes beschäftigte und das ich auch schon in den vergangenen zwei Teilen angesprochen hatte.

Wie weit darf man eigentlich gehen?

Ich habe bewusst keine Originalaufnahmen verwendet. Alle musikalischen Vorlagen habe ich selbst eingespielt. Trotzdem beruhen viele Stücke natürlich auf bekannten Melodien.

Andererseits entfernten sich die Arrangements im Laufe des Projekts immer weiter vom Ausgangsmaterial. Neue Harmonik, Rhythmik, Improvisationen usw.. Befreundete Musiker, denen ich die Ergebnisse vorstellte, erkannten bei den meisten Stücken die Vorlage nicht. Erst als ich ihnen den Titel verraten habe, hörten sie es auch.

Dies war auch mein Ziel, als ich mit der Arbeit begann. Eigenständige Jazz- und Latin-Kompositionen schaffen, die auf bekannter böhmischer Blasmusik beruhen. Ob das urheberrechtlich tatsächlich so zu bewerten wäre, kann ich nicht beurteilen. Hiermit möchte ich nur darauf hinweisen, dass jeder, der mit KI arbeitet, dieses Thema ernst nehmen und sich im Zweifel fachkundig informieren sollte. Die Grenze zwischen Inspiration, Bearbeitung und eigenständigem Werk kann im Einzelfall komplex sein.

Fazit: Würde ich das Projekt noch einmal machen?

Ganz eindeutig: Ja.

Nicht, weil KI perfekte Musik macht, sondern weil sie tolle Ideen liefert. Ich habe in diesen Wochen musikalisch mehr ausprobiert und “erschaffen” als vermutlich in den letzten Jahren zusammen. Einfach deshalb, weil das Ausprobieren plötzlich unglaublich schnell und einfach geworden ist. Dazu macht es einfach unglaublich Spaß, seine musikalischen Visionen zum Leben zu erwecken.

Ein weiterer Cover-Entwurf

SUNO kann nichts, was echte Musiker nicht auch können würden. Aber der kreative Prozess ist ein komplett anderer. Man verzichtet auf die komplette Theorie der Komposition, auf Notensatz und Tonstudio. Die eigentliche Idee steht im Mittelpunkt und wird blitzschnell umgesetzt. Wenn sie nicht gefällt, versucht man es mit einem neuen Prompt, hat in wenigen Minuten sein nächstes Ergebnis und muss nicht bis zur nächsten Probe warten.

Die Idee, böhmische Blasmusik mit Jazz und Latin zu verbinden hatte ich schon lange. Ohne die Möglichkeiten, die KI uns bietet, hätte ich sie aber wahrscheinlich nie umsetzen können.

Kann KI Blasmusik? war die übergeordnete Frage dieser dreiteiligen Serie und dieses Experiments.

Ich glaube, KI kann Blasmusik und kann vor allem einen neuen Ansatz zur Weiterentwicklung der Blasmusik bieten.

Unsere Musik lebt seit jeher davon, Melodien weiterzugeben, Arrangements zu verändern und Traditionen lebendig zu halten. KI ist dafür kein Ersatz, aber vielleicht ein neues Instrument, um Ideen umzusetzen, von denen die Welt vielleicht nie erfahren hätte. Und wie bei jedem Instrument entscheidet am Ende nicht das Werkzeug darüber, ob die Musik die entsteht gut oder schlecht ist, sondern immer der Mensch dahinter.

Die menschliche, musikalische Neugier und die Lust darauf, Neues zu entdecken kann die KI nicht leisten (zumindest noch nicht…). Von daher müssen wir auch keine Sorge haben, dass KI die Blasmusik ersetzen wird.

Wir sollten sie als Chance sehen!

Das Album ist auf allen Streamingdiensten und Youtube verfügbar! Höre gerne mal in das fertige Ergebnis rein:

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