Wenn Böhmen auf Havanna trifft…
Vom Experiment zum Album
Im ersten Teil der Serie “Kann KI Blasmusik?” ging es darum, wie ich begann, mit der Musik-KI Suno zu experimentieren und versuchte, alte böhmische Polkas in ein Jazz- und Latinkorsett zu transformieren.
Als ich die ersten halbwegs überzeugenden Jazz-Versionen der Stücke erstellt und gehört hatte, stellte sich plötzlich eine ganz neue Frage: Was mache ich eigentlich mit diesen Aufnahmen?
Eigentlich war das Ganze ja nur als Experiment gedacht gewesen. Ein paar Stilversuche. Ein wenig mit KI spielen. Vielleicht zwei oder drei interessante Ergebnisse. Doch mit jedem neuen Versuch und Titel wurde es mir zunehmend wichtiger, dass die Aufnahmen nicht nur für sich stehen, sondern sich eine gemeinsame musikalische Richtung entwickelt. Man sollte schon den Eindruck bekommen, dass sie zusammen gehören.
Ein roter Faden musste her
Wer schon einmal eine CD zusammengestellt hat, kennt das Problem: Ein gutes Album besteht meistens nicht einfach aus zwölf guten Titeln, sondern erzählt eine Geschichte (Stichwort Konzeptalbum). Ich begann auch zunehmend darüber nachzudenken, wohin das große Ganz führen könnte und was die verbindenden Elemente dieser KI generierten Musik sind. Die Antwort war nicht schwer zu finden. Alle Stücke stammten aus Böhmen und endeten entweder irgendwo im Jazz (zum Beispiel einem kleinen Nachtclub in Prag) oder in Lateinamerika (zum Beispiel auf der Straße in Havanna).
Es fehlte nur noch ein Titel, der modern klingt und bei dem man nicht sofort an traditionelle Blasmusik denkt. Die Wahl fiel auf:
The Transatlantic Sessions
Prague meets Havanna
Ursprünglich wollte ich ja wissen, wie sich die böhmischen Klassiker als Jazz-Versionen anhören. Doch auch die Experimente mit Latin Einflüssen gefielen mir ausgesprochen gut. Also entschied ich mich, dass dieses fiktionale Album “The Transatlantic Sessions” nicht nur von einem “Interpreten”, sondern von zweien stammen sollte. Einer intellektuellen Jazz-Combo aus Prag und einer stereotypen Latin-Band aus einem Nachtclub in Havanna. Um das Ganze möglichst authentisch vermarkten zu können, mussten auch hier zwei Namen gefunden werden. Die Künstler auf meinem Album waren geboren:
The Prague Jazz Project
und
Orquesta Segundo Viento
Während das Prager Ensemble eher die europäische Jazztradition verkörpern sollte, brachte die kubanische Band Rhythmus, Percussion und karibische Leichtigkeit ins Projekt. Auch gemeinsame Stücke beider Ensembles sind Teil des Albums.
Cover gesucht
Ein wichtiges Puzzleteil fehlte noch: Eine CD ohne Cover wirkt ungefähr so spannend wie eine Polka ohne Bass. Also begann ich erneut mit der KI zu experimentieren. Hierzu nutzte ich die kostenlosen Bildgeneratoren von ChatGPT und Gemini.
Die ersten Entwürfe orientierten sich noch stark an originalen CD-Covern der Egerländer Musikanten. Die Ergebnisse waren durchaus ansprechend, wirkten aber noch zu eindeutig nach KI. Außerdem erzählten diese Bilder nicht dieselbe Geschichte wie die Musik.
Also entstand die Idee, dass das Cover überhaupt keine Musiker mehr zeigen sollte, sondern eher die Verbindung zwischen Jazz und Latin, Prag und Havanna darstellen sollte. Auch hierbei brauchte es natürlich einige Versuche, bevor schließlich ein schlichtes, grafisches Cover, im Stil alter Jazz-LPs entstand. Letztendlich war es ChatGPT, von dem das finale Cover stammte, doch auch die Entwürfe von Gemini gefielen mir teilweise sehr gut.
Auch die Titel brauchten ein neues Gesicht
Wenig überraschend passten die ursprünglichen Titel der Stücke nun überhaupt nicht mehr zur neuen musikalischen Ausrichtung. Also begann ich zu überlegen, wie man aus bekannten Polkatiteln internationale Tracknamen ableiten könnte. Sie sollten entweder auf Englisch oder auf Spanisch sein. Auch hier nutze ich die Kreativität von ChatGPT und ließ mir zu jedem Titel einige Namensvorschläge erstellen. Ich entschied mich für Titel, bei denen man mit etwas Fantasie die ursprünglichen Namen der Stücke noch ableiten konnte. Errätst Du, welche Polkas und Walzer sich hinter diesen Titeln verbergen?
- Low Light, Slow Fire
- Dolor del Corazon
- After All These Years
Ein Zwischenfazit
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits unzählige Prompts geschrieben. In SUNO für die Musik, in CHATGPT und GEMINI für die Bilder, die Grafiken, die Texte, die Bandnamen und den Albumtitel.
Je länger ich an diesem Projekt arbeitete, desto deutlicher wurde mir nochmal, dass KI selten auf Anhieb das perfekte Ergebnis liefert. Meist sind es nur Ideen oder Varianten von dem was man eigentlich erwartet. Auf jeden Fall bietet sie dadurch aber jede Menge Denkanstöße. Der eigene kreative Prozess besteht anschließend darin, diese zu filtern, auszuwählen, zu verändern und weiterzudenken.
Es ist natürlich eine komplett andere Arbeitsweise, als selbst zu komponieren oder zu texten. Spaß macht es aber trotzdem!
Fortsetzung folgt…
Nachdem das Album fertig gestellt war, möchte ich am Ende noch einmal auf die ursprüngliche Frage eingehen:
Kann KI Blasmusik?
Wo liegen die Stärken von KI? Wo stößt sie an Grenzen?
Darin wird es im dritten und letzten Teil dieses Erfahrungsberichtes gehen.
Abonniere am Besten gleich den Newsletter! Dann wirst Du direkt informiert, sobald der dritte Teil erscheint.
Bist Du neugierig geworden? Das Album ist auf allen Streamingdiensten und YouTube verfügbar! Höre gerne mal in das fertige Ergebnis rein:



