Woodstock der Blasmusik: Lohnt sich in diesem Jahr der Besuch noch?
Es ist wieder so weit: Woodstock der Blasmusik steht vor der Tür und damit vier Tage Ausnahmezustand, Camping, Fachsimpeln und natürlich Blasmusik ohne Ende. Vom 02. bis 05.Juli verwandelt sich das beschauliche Innviertel wieder in das Mekka der Blasmusikfans.

Allerdings scheint sich in diesem Jahr neben der Vorfreude auch ein bisschen Skepsis in der Blasmusik-Community auszubreiten. Die Frage, die man sich auch schon die letzten Jahre immer mal wieder stellte: Ist das Woodstock eigentlich noch „unser“ Festival, das Festival der Blasmusik-Enthusiasten, oder ist der Hype mittlerweile einfach zu groß geworden? Lohnt sich die Reise in die Arco Area dieses Jahr überhaupt noch?
Worauf man sich dieses Jahr freuen darf
Machen wir uns nichts vor: Musikalisch ist und bleibt das Woodstock die absolute Champions League. Schaut man sich das Line-up für dieses Jahr an, dürfte jedem Blasmusik-Liebhaber das Wasser im Mund zusammenlaufen. Über 150 Acts auf neun Bühnen! Von der traditionellen, butterweichen Polka bis zum fettesten Brass-Pop ist wirklich alles dabei.
Auch das Gesamtspiel mit zehntausenden Gleichgesinnten verspricht natürlich wieder Gänsehautmomente. Egal ob Main Stage, Tanzl & Gstanzl Stubm, Kraut & Ruabm Arena, oder Woodstock Stadl, jeder findet hier das passende Setting. Sicher eines der großen Erfolgsrezepte des Woodstocks.
Was viele mittlerweile allerdings stört
Schaut man aber mal an der rosaroten Brille vorbei und beobachtet die Entwicklung in den letzten Jahren etwas genauer, stellt man fest, dass sich der Wind bei vielen Fans der ersten Stunde inzwischen gedreht hat. Das Festival hat sich extrem verändert, und das schmeckt nicht jedem.
- Der Blick aufs Konto tut weh: Die Preise sind mittlerweile wie bei allen großen Musikfestivals jenseits von „Gut und Böse“. Nicht nur das Ticket selbst schlägt ein riesiges Loch in die Geldbörse. Wenn du dann noch Camping-Gebühren, die Verpflegung vor Ort und das ein oder andere Kaltgetränk zusammenrechnest, bist du locker ein kleines Vermögen los. Früher war das Woodstock ein relativ erschwinglicher Ausflug für den Musikverein. Heute muss man dafür fast schon einen Kleinkredit aufnehmen.
- Wo bleibt die Gemütlichkeit? Über 100.000 Menschen pilgerten vergangenes Jahr über die vier Tage verteilt aufs Gelände. Das bedeutete: Schlangen beim Klo, Schlangen beim Bier, Ellbogenmentalität vor den großen Bühnen. Nicht wenige fühlen sich in diesen gigantischen Menschenmassen total verloren. Die familiäre, persönliche Stimmung der Anfangsjahre, geht in dieser schieren Masse leider oft flöten.
- Kommerzialisierung pur: Überall blinkt dich irgendein Sponsorenlogo an. Egal ob Waldbühne, Grill-Area oder Alm-Stadel – gefühlt jede Ecke ist inzwischen durchgestylt und an eine große Marke verkauft. Dieser urige, handgemachte Charakter weicht immer mehr einer perfekt durchoptimierten Event-Maschinerie. Das fühlt sich manchmal einfach nicht mehr nach „Love, Peace & Blasmusik“ an, sondern nach „Business, Marketing & Umsatz“.
- Immer mehr Mainstream: Spätestens seit vor ein paar Jahren der ORF das Festival für sich entdeckt hat, müssen die Veranstalter zunehmend darauf achten, genügend „massentaugliche“ Musik im Angebot zu haben. Acts wie DJ Ötzi oder The Bosshoss, die so überhaupt nicht für ihre Verbindung zur Blasmusik bekannt sind, wurden als Hauptacts der letzten Jahre beworben. Dadurch ändert sich zwangsläufig natürlich auch die Zusammensetzung des Publikums.
Mein Fazit:
Trotz dieser negativen Punkte, lohnt sich das Woodstock der Blasmusik aber natürlich auch in diesem Jahr!
Warum? Weil das Woodstock am Ende von etwas lebt, das man trotz aller Sponsorenverträge und teuren Bierpreise nicht kaputtkriegen kann: von den Blasmusikfans. Es mag banal klingen, aber hätten die Gründer damals nicht den Mut gehabt, ein Musikfestival für traditionelle Blasmusik zu organisieren, hätte unsere geliebte Musik sicher nicht den Aufschwung der letzten 10-15 Jahre erlebt. Dass es mittlerweile unzählige weitere Blasmusikfestivals im gesamten deutschsprachigen Raum gibt, verdanken wir dem Woodstock.
Ja, das Woodstock ist erwachsen geworden und ja, auch ziemlich kommerziell. Wer das kleine, intime Zeltfest mit einer Bühne sucht, wird hier nicht mehr glücklich. Wer aber Lust auf die größte Blasmusik-Party der Welt und unvergessliche Gänsehaut-Momente hat, für den führt auch in diesem Jahr kein Weg am Innviertel vorbei.

Alle Infos zum Festival findet Ihr auf der Woodstock-Homepage.
Wie seht ihr das? Seid ihr dieses Jahr am Start oder bleibt ihr wegen der Preise lieber daheim? Schreibt es gerne in die Kommentare!
