Die Tama Sound Lap Project LMP1465F-SEN im Test
Neben meiner eigentlichen Tätigkeit als Dirigent und Blechbläser, bin ich seit einigen Jahren auch als Schlagzeuger in der Blasmusikszene aktiv. Früher oder später möchte man sich dann nicht mehr damit zufrieden geben, was einem die Vereine so an Instrumentarium zur Verfügung stellen, sondern versucht sein eigenes Equipment zu finden und zu optimieren. Aber gibt es gute Snare Drums für unter 1000 Euro und welche ist die beste Snare für Blasmusik?
Das Schlagzeug in der Blasmusik
Wer schon mal versucht hat, für Blasmusik und speziell für böhmisch-mährische Blasmusik die richtigen Trommeln zu finden, kennt das Dilemma: Die meisten Snares auf dem Markt sind für Rock, Pop oder Jazz entwickelt. Also mit Fokus auf Lautstärke, “Knack” und “Attack”. So etwas braucht man im Blasorchester eher selten, in der traditionellen Blasmusik gar nicht.
Daneben gibt es natürlich auch Snare-Drums, die speziell für den Einsatz im klassischen Sinfonieorchester entwickelt wurden. Bei diesen liegt der Schwerpunkt vor allem auf der gleichmäßigen und feinen Ansprache in allen Dynamikstufen. Das wäre auch für die böhmisch-mährische Blasmusik durchaus brauchbar, sobald man das Repertoire allerdings ein bisschen in die moderne Richtung ausweitet, passt der klassische Klang schon wieder weniger. Davon abgesehen liegen die Preise solcher Trommeln meist im vierstelligen Bereich.
In der Blasmusik ist vor allem ein warmer, runder Grundton gewünscht, der sich ins Klangbild der Bläser einfügt, statt sich aufzudrängen. Auch leise gespielt soll die Trommel noch differenziert klingen und bei einem Crescendo ins fortissimo nicht auseinanderfallen. Meine Lösung hierfür:
Ist das die beste Snare für Blasmusik unter 1000 Euro?
Ich konnte die Trommel in den vergangenen Jahren ausgiebig in unterschiedlichsten Besetzungen ausprobieren. Von kleiner Blasmusik, bis hin zum sinfonischen Blasorchester. Zeit also, meine Erfahrungen damit mit Euch zu teilen und die Trommel gegen eine andere, in Blasmusikkreisen sehr beliebte Snare, der Pearl Sensitone Aluminium, antreten zu lassen.
Was eine gute Blasmusik-Snare können sollte
Bevor es um die beiden konkreten Trommeln geht, kurz das Anforderungsprofil für eine Blasmusik-Snare, an dem ich mich orientieren werde:
- Wärme statt Härte: Kein metallisch-scharfer Attack, der unangenehm aus dem Klangkollektiv heraussticht.
- Kontrollierbarkeit in allen Lautstärken: Feine pianissimo-Wirbel in kleinen Besetzungen müssen genauso möglich sein wie ein forte bei einem Open-Air Auftritt eines großen Blasorchesters.
- Sauberer Teppichsound: Wirbel sind ein Element, das Rock-Schlagzeuger kaum benötigen, aber für die Blasmusik elementar ist. Klare Ansprache, ohne zu Scheppern!
- Stimmstabilität: Egal ob im feucht-heißen Festzelt, oder an der kühlen frischen Luft, das Fell sollte sich nicht verziehen.
Nicht zufällig sieht man in der böhmischen Blasmusik sehr oft Snaredrums mit Holzkessel. Der wärmere, rundere Grundcharakter von Holz passt einfach besser zum Klangbild der Bläser, als der eher direkte, harte Ton vieler Metall-Snares. Schaut man sich die Bandfotos der böhmischen Besetzungen genauer an, stellt man fest, dass ich mit meiner Wahl der TAMA inzwischen nicht mehr alleine bin.
Die TAMA S.L.P.: Bauweise und erster Eindruck
Auffälligstes Merkmal der TAMA sind die dicken, hölzernen Spannreifen. Der Kessel besteht aus sechs verleimten Ahornlagen mit nur 5mm Wandstärke, verstärkt durch sogenannte “Sound Focus Rings” im Inneren. Optisch erinnert das Konzept ein wenig an die Snaredrums von UP-Drums, die in der böhmisch-mährischen Szene sehr geschätzt werden (z.B. gespielt von Andy Leitner, Walter Grechenig, u.a.).
Während sich die Snares von UP allerdings deutlich jenseits der 1000 Euro-Marke bewegen, bietet die TAMA eine ähnliche Optik und einen verwandten Klangcharakter zu einem Bruchteil des Preises.
In der Praxis merkte ich sofort, dass der dünne Kessel, zusammen mit den Verstärkungsringen für ein ausgewogenes, angenehmes Sustain und einen warmen, fast schon “vintage” anmutenden Grundklang sorgt. Das schaffen viele andere Ahorn-Snares mit klassischen Metallreifen so nicht. Die Verarbeitung der Trommel ist TAMA-typisch tadellos und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt für mich absolut.
Ein weiterer Pluspunkt aus dem Alltag: Die Stimmung der Felle bleibt durch den Holzreifen erstaunlich stabil und temperaturunabhängig. Selbst nach einigen Wochen Sommerpause muss man nur minimal nachjustieren.
Wie schlägt sie sich im Blasmusik-Kontext?
Für brachialen, energiegeladenen Punkrock oder sehr harte, aggressive Anschläge gibt es sicherlich geeignetere Trommeln auf dem Markt. Bei der TAMA liegt der Fokus klar auf Wärme, Fülle und Musikalität, statt roher Lautstärke. Ein besonderes “Schmankerl” sind die Rimshots auf der Trommel. Durch den dicken Holzspannreifen gelingen sie ausgesprochen gut und lassen sich wunderbar effektvoll einsetzen.
Der Teppich spricht schon bei sanften Anschlägen sauber an, was besonders bei gefühlvollen Passagen in Polkas und Walzern zum Tragen kommt.
Ein weiterer Pluspunkt ist die enorme Bandbreite der möglichen Stimmungen. Sowohl in tiefer als auch in hoher Stimmung klingt die Trommel ausgezeichnet.
Für den Einsatz in der Blasmusik empfehle ich aber ganz klar eine möglichst hohe Stimmung. Neben meinem persönlichen Geschmack, hat das vor allem damit zu tun, dass in der tiefen Stimmung die Durchsetzungsfähigkeit fehlen würde.
Zusammenfassend kann man also sagen, die TAMA S.L.P. deckt nahezu eins zu eins das ab, was Blasmusik und auch speziell böhmisch-mährische Blasmusik von einer Snare-Drum verlangt.
Vergleich mit der Pearl Sensitone
Die Pearl Sensitone Aluminium ist in der Egerländer Blasmusik ein Klassiker. Nicht zuletzt, weil sie vor allem mit dem selbsternannten “Earl of Pearl” Holger Müller und den Egerländer Musikanten – Das Original in Verbindung gebracht wird und von zahlreichen seiner “Anhänger” gespielt wird.
Aluminiumkessel gelten seit der legendären Ludwig Supraphonic als Inbegriff des “klassischen” Snaresounds und die Pearl bedient sich bewusst genau dieser Tradition. Selbstverständlich sind auch hier Hardware und Verarbeitung hochwertig und der druckvolle Sound ist vielseitig einsetzbar.
Auch wenn ich mit meiner Meinung die Befindlichkeiten einiger Egerländer-“Fanboys” verletzen werde, halte ich die Trommel für den Einsatzzweck “Blasmusik” für etwas überschätzt.
Der entscheidende Unterschied zur TAMA liegt im Grundcharakter: Aluminium klingt naturgemäß trockener, direkter und obertonärmer als Ahorn.
Je nach persönlichem Geschmack ist das auch speziell für die Egerländer Blasmusik durchaus wünschenswert und scheinbar das Hauptkriterium, warum die Pearl überhaupt gewählt wird. Allerdings fehlt mir hierbei genau der wärmende und runde Anteil, den die Ahorn-Konstruktion der TAMA mitbringt und der sie auch abseits der reinen Egerländer Literatur zu einer ausgezeichneten Wahl macht.
Weitere Vorteile der TAMA
Beide Trommeln sind hochwertig verarbeitet, beide bewegen sich preislich in einem ähnlichen Rahmen um 500 Euro, beide haben ihre Berechtigung. Die Pearl ist sicher zu Recht der Favorit vieler Egerländer Kapellen, wenn ein trockener, direkter Sound gewünscht ist. Für mein persönliches Klangideal überwiegen bei der TAMA aber drei Punkte:
- Der wärmere Grundcharakter: Der Ahornkessel und vor allem die Ahorn-Spannreifen passen besser zu einem runden Klangbild der Blasmusik, während dem trockenen Aluminiumton der Pearl fast schon die “Seele” fehlt.
- Flexibler Klangeinsatz: Während die Pearl die Egerländer Blasmusik rhythmisch wunderbar trägt und unterstützt, bereichert die TAMA mit ihrer Klangfarbe den Sound jeder Besetzung. Zur böhmisch-mährischen Blasmusik passt sie hervorragend und darüber hinaus ist sie auch für moderne Arrangements eine sehr gute Wahl.
- Dynamik und Stimmstabilität: Da ich die Pearl nur vom Hören her kenne, kann ich mir darüber kein Urteil erlauben. Die TAMA erfüllt aber beide Kriterien mit Bravour!
Fazit
Die TAMA LMP1465F-SEN Sound Lab ist keine Trommel, die bewusst mit Blasmusik beworben wird. Umso überraschender finde ich, wie gut ihr Klangkonzept zu genau diesem Genre passt. Wärme statt Härte, Kontrolle statt roher Power: Das sind Eigenschaften, die man sich für Polka, Marsch und Walzer eigentlich wünscht, aber selten in dieser Kombination findet, und schon gar nicht zu diesem Preis.
Im direkten Vergleich mit der in der Szene etablierten und von vielen wie eine Art Standard behandelten Pearl Sensitone Aluminium sehe ich die TAMA für den traditionellen böhmisch-mährischen Einsatz und den Einsatz im großen Blasorchester einen Schritt vorn. Nicht, weil die Pearl schlecht wäre, sondern weil ihr trockener, fokussierter Aluminium-Charakter meiner Erfahrung nach sehr eingeschränkt auf den massentauglichen “Egerländer Sound” ist (quasi das “Krombacher Bier” unter den Blasmusik-Snares).
Wer noch tiefer in die Holzreifen-Optik und -Philosophie einsteigen möchte, landet früher oder später bei Marken wie UP-Drums oder anderen Kleinstmanufakturen für hochwertigen Trommelbau. Das ist klanglich sicher eine eigene Liga, aber eben auch preislich. Für alle, die eine warme, blasmusiktaugliche Snare unter 1000 Euro suchen, kann ich klar die TAMA LMP1465F-SEN empfehlen.
Abschließend kann ich Euch aber nur raten, Euch selbst über Euren gewünschten Sound und dem Sound Eurer Kapelle im Klaren zu sein, bevor ihr Euch eine Trommel kauft, nur weil sie jemand spielt, dem Ihr nacheifern möchtet. Nutzt die Chance beide Trommeln (und noch viele weitere) nach Möglichkeit selbst anzuspielen! Snaresound ist am Ende immer auch Geschmackssache, und Felle, Stimmung und Teppich lassen sich ohnehin individuell anpassen.
Welche Rolle das Schlagwerk in der böhmisch-mährischen Blasmusik spielt, könnt Ihr übrigens hier nachlesen:
Böhmisch oder Mährisch? Teil 1
Böhmisch oder Mährisch? Teil 2
Welche Snares benutzt Ihr in Euren Orchestern/Kapellen und warum? Schreibt es in die Kommentare!
*Anmerkung:
Der Artikel entstand komplett aus eigener Motivation heraus. Ich werde von keiner der genannten Firmen in irgendeiner Art dafür entlohnt. Die Links zu den Modellen sind Affiliate-Links.



