Die Ergebnisse der Abstimmung – Teil 2
Welche ist die Polka des Jahres 2026?
Welche Polka darf in dieser Saison bei keinem Auftritt fehlen?
Die Polkakompass-Community hat fleißig abgestimmt: Über 300 Stimmen wurden zur Wahl zur Polka des Jahres abgegeben und dabei knapp 50 verschiedene Titel genannt! Ein Ergebnis, das durchaus als repräsentativ gelten kann. Die vorgeschlagenen Polkas reichen von alten böhmischen Klassikern bis hin zu neueren Kompositionen der vergangenen Jahre.
Ein klarer Favorit kristallisierte sich bereits nach wenigen Tagen heraus. Diese Polka wurde in nahezu jeder Abstimmung genannt und belegte letztendlich deutlich den ersten Platz.
Hier kommen nun die fünf am häufigsten genannten Titel. Wenn Du die Präsentation der Plätze 10 bis 6 verpasst hast, kannst Du sie hier nachlesen:
Platz 5: Auf der Vogelwiese (Josef Poncar)
“Auf der Vogelwiese” – ein Titel über den man eigentlich gar nichts mehr sagen muss. Gäbe es eine “Polka des Jahrhunderts”, wäre es mit Sicherheit die “Vogelwiese”. Bekannt, weit über das typische Blasmusikpublikum hinweg, gehört sie einfach in jedes Festzelt. Immerhin 5% der über 300 abgegebenen Stimmen fielen auf Josef Poncars Polka, die er vermutlich in den 1930er Jahren unter dem Titel Pocapelska komponierte. Weitere alternative Titel lauten Cecilka-Polka, Auf der Moselwiese und Mozna Zitra.
Die immer noch meistgespielte Ausgabe der “Vogelwiese” ist übrigens immer noch die uralt Version von H. Egidius des Halter Verlages. Erschienen als Doppelausgabe, mit dem Kammbläser-Marsch auf der Rückseite. Diesen Marsch spielt wahrscheinlich niemand, aber einen Grund, auf eine neuere Notenausgabe umzusteigen, gibt es scheinbar für die meisten Kapellen nicht.
Auf der Vogelwiese auf Youtube
Platz 4: Böhmische Liebe (Mathias Rauch)
Mit ca. 6% der Stimmen schafft es die “Böhmischen Liebe” auf Platz 4 der Abstimmung zur Polka des Jahres 2026. Von Mathias Rauch 2013 ursprünglich für seine Hippacher Musikanten komponiert, erreichte die Polka vor allem durch die Interpretation der Innsbrucker Böhmische ihre Bekanntheit und fand den Weg in die Notenmappen der Kapellen und Musikvereine.
Ihre anhaltende Beliebtheit verdankt die Polka sicherlich der Tatsache, dass sie in jeder Besetzung gut spielbar ist. Von der kleinen Wirtshausmusi bis hin zum voll besetzen Blasorchester. Dazu kommt die eingängige Triomelodie mit einem Text, den jeder spätestens nach dem ersten Hören mitsingen kann.
Platz 3: Böhmischer Traum (Norbert Gälle)
Kaum eine Polka hat die Blasmusikszene der vergangenen Jahrzehnte so geprägt wie der “Böhmische Traum“ von Norbert Gälle. Was 1997 als Komposition für die Scherzachtaler Blasmusik begann, entwickelte sich zu einem echten Superhit der Blasmusik und gehört heute zum Standardrepertoire unzähliger Kapellen. Es gibt vermutlich mehr Musiker, die den “Böhmischen Traum“ schon einmal gespielt haben, als solche, die ihn noch nie gehört haben.
Mit rund 9 % der Stimmen landet der Klassiker auf Platz 3 der Wahl zur Polka des Jahres 2026 und holt sich somit die Bronzemedaille. Während das Publikum meist schon nach dem ersten Takt in Ekstase gerät, führt der Titel bei manchen Musikern spätestens nach vier Takten zu einer gewissen Übersättigung.
Dies lässt sich damit erklären, dass sich der “Böhmische Traum” nicht nur zu einem Blasmusikklassiker entwickelt hat, sondern darüber hinaus auch Einzug in die Playlisten der Fastnacht-, Karnevals- und Aprés-Ski-DJs erhalten hat. Spätestens nach dem hinzugedichteten Text von Andreas Raith und den Coverversionen von De Fetzer, Räuber und nicht zuletzt DJ Ötzi scheiden sich am “Böhmischen Traum” die Geister der Blasmusikszene.
Der dritte Platz zeigt aber, dass der “Böhmische Traum” zu den prägendsten Polkas unserer Zeit gehört und somit ist der Platz auf dem Treppchen mehr als verdient.
Platz 2: Eine letzte Runde (Markus Nentwich)
Silber geht an Österreich und Viera Blech-Posaunist Markus Nentwich mit seiner Polka “Eine letzte Runde” aus dem Jahr 2019.
Untrennbar verbunden ist der Titel mit den Kaiser Musikanten. Er gehörte zu den ersten Veröffentlichungen der Gruppe bei Youtube und wurde dort mit unglaublichen über 1,7 Millionen Aufrufen bis heute ihr mit Abstand erfolgreichster Clip.
Obwohl es die Noten zur Polka anfangs nur im eigenen Nentwich Verlag zu erwerben gab, verbreitete sie sich trotzdem wie ein Lauffeuer in der Blasmusikszene.
Was “Eine letzte Runde” besonders macht und wohltuend von der sonstigen “Massenware” auszeichnet, ist der sinfonisch angehauchte Mittelteil im Trio, der anschließend ins obligatorische Grandioso mündet und die Polka standesgemäß abschließt.
Der Rest ist technisch weniger anspruchsvoll und somit für Kapellen aller Leistungsstufen gut zu bewältigen. Wie schon bei der “Böhmischen Liebe” erwähnt, ist zudem allen top platzierten Polkas gemein, dass sie in den unterschiedlichsten Besetzungen gut spielbar sind. Auch “Eine letzte Runde” klingt sowohl für Tanzlmusi (z.B. 6er Gsponn) als auch für sinfonisches Blasorchester (z.B. Militärmusik Oberösterreich) gut und erreicht damit einen hervorragenden zweiten Platz mit gut 11% aller Stimmen.
Weitere Polkas ohne Platzierung
Bevor wir nun zum ersten Platz und damit der POLKA DES JAHRES 2026 kommen, möchte ich an dieser Stelle noch einige Titel erwähnen, die mehrfach bei der Abstimmung genannt wurden, es aber nicht in die TOP 10 geschafft haben:
- Archivisten-Polka
- Der Strohwitwer
- Ein Leben lang
- Hallo kleine Maus
- Kannst Du Knödel kochen
- Von Freund zu Freund
- Weinkeller-Polka
- Gablonzer Perlen
- Finkensteiner-Polka
- Rauschende Feste
- uvm.
Platz 1: Spritzregen-Polka (Radek Ruzicka)
Wenig überraschend, dafür mit 24% und riesigem Abstand hochverdient zur POLKA DES JAHRES 2026 gewählt: Radek Ruzicka mit seiner Spritzregen-Polka.
Bereits 2019 im Repertoire der Weinviertler Mährischen Musikanten erschienen, entwickelte sich diese Polka im vergangenen Jahr zu einem regelrechten Phänomen. Inzwischen hört man die Spritzregen-Polka bei nahezu jedem Blasmusikauftritt von Unterfranken bis ins Burgenland und weit darüber hinaus.
Worin liegt der Erfolg der Polka? Vielleicht weil es mal eine mährische Nummer ist, die vom Tempo und technischem Anspruch her nicht die meisten Kapellen überfordert? Stattdessen präsentiert Ruzicka hier einfache Melodien, die leicht ins Ohr gehen und vor allem auch dort bleiben. Harmonisch schlicht und in der Instrumentation bewusst minimalistisch gehalten, besitzt die Polka alles was es braucht und kein bisschen mehr.
Die Spritzregen-Polka ist (zumindest noch) das genaue Gegenteil eines Blasmusik-Partyhits wie dem “Böhmischen Traum”. Gespielt von einem großen Blasorchester würde sie sicherlich ihren Reiz verlieren – ganz anders als “Eine letzte Runde”.
Somit stellt sie im Polkarepertoire der vergangenen Jahre auf jeden Fall eine Ausnahme dar, die von den Kapellen, denen die böhmisch-mährische Blasmusik am Herzen liegt, dankend angenommen wurde.
Herzlichen Glückwunsch an Radek Ruzicka und die Weinviertler Mährischen Musikanten zur POLKA DES JAHRES 2026!
Vielen Dank an alle, die sich an der Umfrage beteiligt haben! Hast Du Wünsche oder Ideen für weitere Umfragen in der Blasmusik-Community? Schreib sie gerne in die Kommentare!



Ohne Klarinetten ist es keine Böhmische Blasmusik…